Schulbiologiezentrum Hannover,Arbeitshilfe 5.4 "Staudenliste"
Uwe Förster, Edda Bräutigam,
März 1993
Was sind Stauden?
Unter dem Begriff Stauden faßt man alle Pflanzen
zusammen, die mehr als zwei Jahre überdauern und krautartigen Charakter haben.
Da sie den Winter überdauern, spricht man auch von winterharten Stauden. Im Gegensatz dazu
seien die Einjahresblumen genannt, deren Lebenskreis auf ein Jahr beschränkt
ist. Gehölze überdauern die Jahre in oberirdischen Teilen wie Stamm und Ästen,
Stauden dagegen überleben unterirdisch in Wurzelstöcken, Rhizomen oder oberirdisch
in Winterrosettenform.
Wie pflanzt man Stauden?
Bei der Staudenpflanzung ist zunächst zu berücksichtigen,
daß viele Stauden meist jahrelang an gleicher Stelle stehen bleiben. Deshalb
ist eine sorgfältige Bodenbearbeitung entsprechend den Ansprüchen der jeweiligen
Stauden nötig. Wichtige Hinweise für die Bodenvorbereitung ergeben sich aus
den Beschreibungen der Verwendungsbereiche. Bei allen Beet- oder Prachtstauden
sind Beigaben von verrottetem Stalldung, Kompost und organischem Dünger immer
vorteilhaft. Bei den genügsamen Wildstauden kann dies nachteilig sein.
Wann pflanzt man Stauden?
Vorteilhafte Pflanzzeit für Stauden ist im
Herbst ab Anfang September bis in den November, im Frühjahr März bis Mai.
Im Herbst gepflanzte Stauden haben
gegenüber der nachfolgenden Frühjahrspflanzung immer einen Vorsprung. Bei
später Pflanzung ist eine dünne Reisigdecke zu empfehlen.
Wie pflegt man Stauden?
Da Stauden in unterirdischen Überwinterungsorganen
die kalte Jahreszeit überdauern, muß man ihnen genügend Zeit geben, die nötigen
Reservestoffe aus den oberirdischen Pflanzenteilen in ihre Speicherorgane
einzulagern. Erst wenn die letzten grünen Pflanzenteile braun geworden sind,
ist es ratsam, sie zu entfernen. In frostgefährdeten Lagen ist es sogar sinnvoll,
die krautigen Pflanzenreste den Winter über stehen zu lassen, da dadurch ein
natürlicher Frostschutz gewährleistet wird.
Im Frühjahr sollten dann alte Pflanzenteile
mit der Rosenschere abgeschnitten werden. Eine Düngergabe mit einem ausgeglichenem Mehrnährstoffdünger oder
abgelagerten Kompost kann jetzt erfolgen. Stauden, die man im zügigen Wachstum
teilen muß, stehen jetzt zur Vermehrung an (Gräser). Auch Staudenhorste, die zu
überaltern drohen, müssen jetzt geteilt und neu gepflanzt werden, da sonst
Verkahlungen in der Mitte der Horste auftreten.
Den Sommer über sind die Pflanzungen relativ
pflegeleicht, wenn man davon absieht, daß die Wildkräuter, die üblicherweise
viel konkurrenzfähiger sind, das Staudenbeet nicht überwuchern dürfen. Von
starken Düngergaben ist ab Juli/August abzuraten, da die meisten Herbstblüher
ihre Blüte schon induziert (den Blühvorgang eingeleitet ) haben. Bei zu später
Düngergabe erfolgt kein Wachstumsabschluß und die Pflanzen erfrieren.
Für die Überwinterung ist bei frostempfindlichen
Arten Winterschutz erforderlich (Reisigdecke). In Hannover ist jedoch die
Winternässe der häufigere Grund für das Auswintern von Stauden. Besonders
gefährdet sind hier hohe Gräser, die durch Zusammenbinden und einmaliges Umlegen
geschützt werden können.
Die sachgerechte
Pflege einer Staudenanlage fängt jedoch schon bei der Pflanzung an. Die
Berücksichtigung des natürlichen Vorkommens einer Staude und davon abgeleitet,
ihre Verwendung in künstlich geschaffenen Arealen, ist Grundlage für gutes
Wachstum und optimale Entwicklung. Die Wahl des richtigen Verwendungsbereiches
sollte den natürlichen Lebensbereichen der Staude entsprechen.
Verwendungsempfehlungen für Stauden:
Durch die, den Anfangsbuchstaben der Verwedungsbereiche
entsprechenden Kurzformeln und die Zeichnungen, wird mit einem Blick ersichtlich,
wo eine bestimmte Staude vorwiegend verwendet werden soll.
Man unterteilt hier in fünf Lebensbereiche,
die zum Teil noch in verschiedene Unterbereiche gegliedert sind:
l. Verwendungsbereich "Gehölz" G
ll. Verwendungsbereich "Gehölz - Rand" GR
lll. Verwendungsbeeich "Freiflächen" Fr / +SH + H
Vl. Verwendungsbereich "Steinanlagen" St / + M + MK
+ SF
V. Verwendungsbereich "Alpinum" A
Vl. Verwendungsbereich "Beet" B
*) = In einigen Lebensbereichen gibt es Stauden
mit beetstaudenähnlichem Charakter, die meist durch stattliche Erscheinung,
üppigen Wuchs und oft durch auffällige Blüten sehr wirkungsvoll, aber auch
etwas anspruchsvoller sind. Ihrem Verwendungsbereichskennzeichen ist ein -b-
hinzugefügt.
Verwendungsbereich "Gehölz" G
Im lichten Schatten oder Halbschatten, vornehmlich
unter locker aufgepflanzten Bäumen gedeihen viele "Waldstauden"
sehr gut. Sie stehen in enger Beziehung zu den Bäumen und beleben diese Bereiche
von Gärten und Anlagen durch ihre Wuchsformen und Blüten. Die verrottenden
Blätter der Bäume sorgen für den erforderlichen humosen, frischen Boden und
dürfen nicht weggeräumt werden. Unter den Stauden dieses Lebensbereiches sind
einerseits Arten heimischer Waldstauden zu finden, die vorzugs-weise im Bereich
gut eingewachsender Bäume mit "reifem" (humosem, frischen) Boden
zu pflanzen sind.
Diesen stehen Stauden mit beetstaudenähnlichem
Wuchscharakter gegenüber, die meist durch stattlichere Erscheinung, üppigen
Wuchs und durch auffällige Blüten sehr wirkungsvoll, aber auch anspruchsvoller
an Boden und Pflege sind.

Verwendungsbereich "Gehölz - Rand"
Am Rande von Baum - und Strauchgruppen, vielfach
in gutem humosen Boden finden zahlreiche Stauden optimale Standortverhältnisse.
Zu beachten ist, daß einige Arten mehr den offenen, sonnigen, warmen, südseitigen
Gehölzrand bevorzugen, andere dagegen gedeihen besser im kühleren, halbschattigen,
nordseitigen oder dem wechselschattigen Gehölzrand.
Jeweils mit trockenem Boden (GR1), frischem Boden (GR2), oder feuchtem Boden (GR3). Ähnliche Bedingungen, meist ohne Wurzeleinwirkungen
von Bäumen, sind im Bereich von Mauern und Hauswänden anzutreffen
Außerhalb der Standorte von Bäumen und Sträuchern
(auf offenen, sonnigen "freien Flächen") gibt es vielfältige Gartensituationen,
in denen viele Stauden die für sie günstigen Lebensbedingungen finden.
Je nach ihren Ansprüchen an Feuchtigkeitsgehalt
und Wasserhaltekraft des Bodens lassen sich unterscheiden:
Arten für warmen, vollsonnigen Standort mit
durchlässigem, trockenem Boden, oft auch in Hanglagen (Fr1),
Arten für normalen, frischen Boden (Fr2) oder
Arten für feuchten Boden (Fr3);
außerdem Stauden für trockenen, kalkhaltigen
Boden und warme, sonnenseits geneigte Flächen der "Steppen - Heide" S
oder Stauden für nährstoffärmere, bodensaure,
sandige Flächen der "Heide"
H.
Verwendungsbereich "Steinanlagen" St
Viele Stauden fühlen sich im Bereich der Steine
wohl. Manche sind nässeempfindlich und wachsen deshalb am besten in einem
von Kies bzw. Felsbrocken durchsetzten Boden, den
"Fels - Steppen" FS

Andere gedeihen selbst in flachen Bodenschichten
über Fels oder größeren Steinen, den
"Matten"
(Felsmatten) M.

Wieder andere eignen sich bestens zum Pflanzen
hinter den "Mauer - Kronen"
von Trockenmauern MK oder in
deren "Steinfugen" SF.
Verwendungsbereich "Alpinum" A

Einige herrliche, aber auch anspruchsvolle,
oft nicht sehr konkurrenzfähige Stauden finden die besten Standorte in unterschiedlichen,
meist kleinräumigen Flächen im Alpinum A.
Ein natürlich angelegter Felsgarten im Tiefland,
der mit alpinen Pflanzen bepflanzt wurde.
Verwendungsbereich "Beet" B
Für die im Garten am häufigsten anzutreffende
Standortsituation - das Beet - gibt es eine große Zahl herrlicher Stauden
mit stattlichem Habitus und prachtvollen Blüten. Sie benötigen einen humosen,
nähr-stoffreichen, frischen Boden, dessen Oberfläche durch flaches Hacken
oder gelegentliches Graben offen gehalten werden sollte.
Bei Beetstauden gibt es Leitstauden mit dominierender Funktion
und Begleitstauden, die das "Gartenbild"
ergänzen
Geselligkeitsstufen für Stauden:
(nach Hansen / Müssel)
Neben dem Lebensbereich, der einerseits das
natürliche Vorkommen der Stauden und andererseits ihre Verwendung in künstlich
geschaffenen Arealen kennzeichnet, spielen der Lebensrhythmus, die Entwicklung
der Staude im Laufe des Jahres, aber auch ihre Entwicklung im Alter eine große
Rolle.
Auch die Faktoren Konkurrenz zu anderen
Pflanzen und das Verhalten zum Pflanzpartner müssen bei der Pflanzung bedacht
werden.
Diesen spezifischen Eigenschaften und Anforderungen
gemäß werden Pflanzen einzeln, flächig oder in großen und kleinen Kolonien
gesetzt und für eine bestimmte Fläche eine bestimmte Pflanzenzahl vorgesehen.
Die Geselligkeit in Staudenpflanzungen (Soziabilität) läßt sich in Form einer
fünfteiligen Skala zum Ausdruck bringen, die auch die unterschiedliche Verteilung
der Arten im natürlichen Bestand berücksichtigt.
Die folgende schematische Darstellung soll
verdeutlichen, wie Pflanzgruppen, möglichst natürlich, einander zugeordnet
werden können. Hier sind jedoch alle anderen, zur Planung einer
Staudenpflanzung gehörenden, Überlegungen ( Ansichtseite, Höhe der Stauden,
Exposition des Geländes etc.) unberücksichtigt geblieben.
Anschließend
sind noch einige Pflanzenarten als Beispiele für die jeweiligen Gruppen aufgeführt.
möglichst einzeln in
kleinen Trupps von etwa
oder in kleinen Tuffs 3 -
10 Pflanzen gruppieren

größere Gruppen von über 10 - 20 Pflanzen

in großen Kolonien, ausgesprochen vorwiegend
flächig pflanzen großflächig
pflanzen
I) = möglichst einzeln oder in kleinen Tuffs
pflanzen
(Actaea,
Aquilegia, Aruncus, Avena, Acanthus, Eryngium, Helianthus salicif., Hosta, Thalictrum, Euphorbia myrsin.,
Ligularia, Papaver orient., Paeonia, Verbascum)
II) = in kleinen Trupps von etwa 3 - 10
Pflanzen gruppieren
(Achillea
"Coronation Gold", Aconitum, Anemone jap., Armeria, Aster n.a., Aster
n.b., Astilbe thunb.,
Campanula, Coreopsis, Delphinium, Epimedium, Helianthemum, Iris, Rudbeckia, Rodgersia)
III) = größere Gruppen von über 10 - 20 Pflanzen
(Ajuga rept.,
Anemone sylv., Asarum, Bergenia, Brunnera, Cimicifuga jap.,
Dicentra ex., Doronicum plant.,
Lavandula ang., Luzula sylvat., Nepeta faassenii, Thymus)
IV) = in großen Kolonien, ausgesprochen flächig
pflanzen
(Azorella,
Cerastium bib., Coreopsis vertic., Cotula, Geranium sang.,
Lysimachia numm., Physalis, Primula
jap., Sedum Hyb., Waldsteinia tern.)
V) = vorwiegend großflächig pflanzen
(Acaena,
Astilbe chin. "Pum.", Convallaria maj., Duchesnea, Geranium
endressii, Hypericum calyc., Lamium
gal., Pachysandra, Stachys lan., Tiarella, Vinca)
Zur Staudenliste:
Die ersten zwei Spalten nennen den botanischen Namen der Pflanze, sowie
die Pflanzenfamilie, zu der die
genannte Pflanze zählt. Zur Vervollständigung wird in der 3. Spalte der deutsche Name genannt, da oft nur die
deutsche Benennung bekannt ist. Hier sei vermerkt, daß der deutsche Name oft
schon Rückschlüsse auf die Standortansprüche der Pflanze zuläßt.
In der Spalte 4 sind die Verwendungsbereiche der genannten
Pflanze aufgeführt. Im Gegensatz zur alten Staudenliste wurde hier nicht
die Einteilung nach Kennzifferschlüsseln der Hansen/Müssel - Liste vorgenommen. Die Einteilung nach
Verwendungsbereichen scheint uns für den Anwender im Schulgarten hilfreicher.
Die Verwendungsbereiche wurden auf den ersten Seiten schon näher erläutert.
Die Höhe
der Pflanzen wird in Spalte 5 aufgeführt, wobei dies nur eine ungefähre Angabe
sein kann, da die Größe je nach vorliegenden Verhältnissen differiert. Ebenfalls
nur ungefähre Angaben enthält die Spalte 6 mit Blütenfarbe und Blütezeit.
Die Blütenfarbe kann sich mit unterschiedlicher Besonnung oder unterschiedlichem
Nährstoffgehalt verändern, die Blütezeit durch witterungsbedingte Einflüsse
verschoben werden.
Spalte 7 sagt etwas zum Pflanzabstand der Pflanzen untereinander
aus. Alle Angaben beziehen sich auf einen Quadratmeter. Sie erhalten so eine
Vorstellung wie dicht die Stauden benachbart werden können.
I
Eine Bewertung der Pflanzen nach den Grundsätzen
der überregionalen Staudensichtung im Hinblick auf Sortimentseingruppierung
oder Gartenwert ist nicht mit in die Liste aufgenommen worden.